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Vorsicht, Falle!

Vorsicht, Falle
Bild: gpointstudio/Shutterstock.com

John D. Rockefeller hat schon vor 100 Jahren einen Verkaufstrick angewandt, auf den wir auch heute noch hereinfallen: Er brachte seine Öllampen kostenlos unters Volk und verdiente mit dem Verkauf des teuren Brennöls ein Vermögen. Wir zeigen Ihnen, bei welchen Produkten Sie heute mit dem Rockefeller-Prinzip geködert werden und welche Kostenfallen Sie außerdem umgehen sollten. Von Monika Mendat

John Davison Rockefeller ist einer der reichsten Männer der Welt gewesen. Er hat sich im Laufe seines Lebens ein Ölimperium geschaffen. Und er hat eine spezielle Marktstrategie, man könnte auch sagen einen Verkaufstrick, erfunden, der heute sogar seinen Namen trägt: das Rockefeller-Prinzip. Es besagt in aller Kürze: Kunden sollen mit günstigen Anschaffungspreisen für Produkte gelockt werden, die aber für die Käufer hohe Folgekosten im Nachgang produzieren – und eine hohe Rendite für den Unternehmer.

Für Verbraucher ist diese Verkaufsmasche nicht ganz einfach zu durchschauen, sie tappen sozusagen ahnungslos in die Rockefeller-Falle. Zwar ist es schon länger her, dass der Mega-Unternehmer Öllampen kostenlos oder sehr günstig abgegeben haben soll, um so den Nachverkauf seines vergleichsweise teuren Brennöls sicherzustellen. Doch das Rockefeller-Prinzip ist moderner und zeitgemäßer denn je.  

Die Liste der Produkte, bei denen der Kostenteufel im Detail steckt, ist lang: Auf erschwingliche Nassrasierer folgen teure Rasierklingen, viele Kaffeeautomaten sind preisgünstig, Kaffee-Kapseln aber teuer – denn ein Kilo Kapselkaffee kostet viel mehr als normaler Kaffee. Oder: Handys und Smartphones werden häufig zum Nulltarif angeboten, aber Handyverträge mit einer Mindestlaufzeit von zwei Jahren können mächtig zu Buche schlagen. Online-Flugbuchungen, ein mannigfaltiges Kosten-Sammelsurium, waren lange Zeit der Klassiker für schwer kalkulierbare Gebühren, bis der Gesetzgeber kürzlich einen Riegel vorschob. Internettransaktionen sprudeln über vor versteckten Kosten. 

„Die Einstiegshürde ist gering“, beschreibt Professor Dr. Karsten Kilian von der Hochschule Würzburg-Schweinfurt das Rockefeller-Prinzip. Man bezahle für das günstige Produkt erst im Zeitverlauf einen hohen Preis. „Das ist aber gerade bei knapper Kasse für manchen Kunden durchaus akzeptabel, da er sich das Produkt ansonsten gar nicht leisten könnte“, so Kilian. Bei Tintendruckerkartuschen zum Beispiel ist der Tintenliterpreis bis heute höher als ein Liter Chanel No. 5. (siehe Interview).

Ob also Druckerpatronen, Kaffeekapseln oder Handys – für Verbraucher hilft nur eines: hinschauen und nachrechnen. Eva-Maria Schönmetzler von der Verbraucherzentrale Bayern empfiehlt generell: „Wenn man sich beispielsweise ein Gerät anschaffen möchte, raten wir, sich im Vorfeld zu informieren, wie hoch die Folge-/Unterhaltskosten sind“. 

Doch zunächst einmal muss man wissen, wo die Kostenfalle versteckt ist. 

Kaffekapseln
Bild: Studio_3321/Shutterstock.com

Kostenfalle Internet 

Jede Menge Anbieter im Internet werben mit Gutscheinen und kostenlosen Warenproben. Was der Verbraucher nicht weiß: Die meisten Angebote sind kostenpflichtig, wenn man genauer hinschaut. Ein Hinweis findet sich oft ganz klein erst am Seitenende. „Immer häufiger verschleiern unseriöse Geschäftemacher die Kosten von Onlineangeboten […] Erst wenn die Rechnung kommt, folgt das böse Erwachen“, stellt dazu das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz fest. 

Mit welchen Tricks selbst namhafte Anbieter arbeiten, zeigt eine Übersicht vom Verbraucherzentrale Bundesverband. Dort sind gerichtliche Verfahren zu Kostenfallen im Internet aufgelistet. Ein Beispiel: Ein Internet-Unternehmen versandte an seine Kunden ein Werbeangebot mit einer „Treue-Dankeschön“-Aktion. „Als Dankeschön für Ihre Treue […] haben wir für Sie eine sensationelle Überraschung reserviert: Genießen Sie ein Monat lang alle Vorteile […] unseres Clubs. Zudem schenken wir Ihnen einen Einkaufsgutschein im Wert von 25 Euro!“ Der Nutzer bestätigt mit ­einem Häkchen in der unteren Hälfte der Werbeanzeige, dass er den Club einen Monat lang „kostenlos“ testen möchte. Drückt er auf den Button „Überraschung auspacken“, schnappt die Falle zu. Denn unterhalb des Anmeldevorgangs erklärt ein Sternchenhinweis: Die Mitgliedschaft ist gar nicht kostenlos. Kündigt man nach der einmonatigen Testphase nicht, verlängert sie sich vielmehr um weitere zwölf Monate zu einem Preis von fünf Euro pro Monat. Gesamtkosten: 60 Euro.

Internetportale wie das Internet-ABC geben Ratschläge, wie man sich vor solchen Angeboten schützen kann. Bei Adjektiven wie „gratis“ und „kostenlos“ sollten die Alarmglocken klingeln, der Verbraucher sollte auf alle Fälle bis zum Seitenende lesen, ob Preisinformationen im Angebot versteckt sind. Ein weiterer verdächtiger Hinweis: Das Unternehmen hat seinen Sitz im Ausland oder eine ausländische Unternehmensform. Grundsätzlich gilt laut Internet-ABC: „Frei zugängliche Inhalte gibt es so gut wie keine oder nur wenige.“ 

Kostenfalle Smartphone, Pad & Co.  

In keinem anderen Geschäftsbereich gibt es so viele Kostenfallen wie beim Mobilfunk. Mit einem Klick antworten Verbraucher auf eine SMS-Nachricht mit dem Wortlaut „Sichern Sie sich gratis […] und rufen Sie einfach zurück“, kontaktieren einen überteuerten Dienst (Verkehrsmeldungen, Wettervorhersagen) oder surfen im Internet, ohne die Kosten im Blick zu haben. Manche Verbraucher haben eine zu geringe Flatrate fürs Internet, was zu einer satten Rechnung am Monatsende führt. Manche surfen in überteuerten Internet-Paketen für Handy und Co. 

Die Berliner Teltarif, eines der führenden Online-Portale im Bereich Telekommunikation, hat typische Fallen zusammengestellt. Marie-Anne Winter, Chefredakteurin News von Teltarif, gibt Tipps, wie man sie vermeiden kann:

Sonderrufnummern

In Telefonbüchern von Handys oder auf der SIM-Karte sind Sonderrufnummern in Form von Handy-Kurzwahlen gespeichert, die vermeintlich nützliche Dienste wie Wettervorhersagen, Verkehrsmeldungen oder Auskunftservices anbieten. Informieren Sie sich vorab über die Kosten solcher Dienste. Um nicht versehentlich eine dieser teuren Sonderrufnummern anzuwählen, empfiehlt es sich, die voreingestellten Nummern aus dem Telefonbuch zu löschen.

Abo von Handy-„Mehrwertdiensten“ Klingelton-Downloads können mit so genannten Premium-SMS bestellt und gleich bezahlt werden. Doch häufig sind es nur Köder für Klingelton-Abos mit längerer Laufzeit. Tipp: Der Versand von Premium-SMS lässt sich über den Mobilfunkanbieter sperren – per Drittanbietersperre. Besonders aufpassen sollten hier Eltern! Mit solchen Angeboten werden vor allem Kinder angelockt.

Mit dem Handy im Internet surfen

Viele Nutzer unterschätzen die anfallenden Datenübertragungskosten fürs mobile Internet und surfen mit einem unpassenden Datentarif. Deshalb gilt: Informieren Sie sich vor Abschluss eines Mobilfunkvertrages ausführlich über die Nutzungspreise. Und: Analysieren Sie Ihr Surfverhalten genau, um den richtigen Tarif zu finden.

Über Handyrechner und spezielle Ratgeberseiten (unter anderem bei teltarif.de) kann man den Handytarif finden, der zu einem passt.  

Kostenfalle Flugbuchung im Internet

Der Europäische Gerichtshof (EuGH) entschied vor kurzem, dass bei der Online-Flugbuchung von Anfang an der Endpreis angezeigt werden muss. Früher war das anders. Mit jedem Mausklick kamen gefühlt neue Gebühren hinzu. Stiftung Warentest prüfte im März dieses Jahres, ob sich Airlines und Reiseportale tatsächlich auch an die rechtlichen Vorgaben halten. Das Ergebnis: Nur bei einem von fünf Flugportalen ist das der Fall. Die Internetseiten von Fluglinien verhalten sich hingegen korrekter. So zeigen Air Berlin und Lufthansa beispielsweise sofort den Endpreis an. 

An die Weisungen des Gesetzgebers hält sich von den Internet-Flugportalen laut Stiftung Warentest nur lastminute.de. „Expedia schlägt im Laufe der Buchung, je nach Airline, unterschiedliche Zahlungsgebühren auf. Kostenlos ist es nur mit Visa Credit. Fluege.de, flug.de­ und opodo.de schlagen während der Buchung üppige Gebühren auf“, heißt es bei Stiftung Warentest. 

Die Verbraucherschutzorganisation­ rät grundsätzlich auch hier: Preise vergleichen. „Wer einen Flug buchen möchte, sollte nach der Anfrage bei der Flugsuchmaschine direkt bei der jeweiligen Airline buchen, die den günstigsten Flug anbietet.“ Vor einem Jahr hat sich die Stiftung sieben Flugsuchmaschinen angeschaut. Ergebnis: Fünf sind empfehlenswert, zum Beispiel skyscanner.de, swoodoo.de oder billigflieger.de.

Aus der Not eine Tugend machen

Wenn die gebuchte Reise doch nicht angetreten werden kann, zeigen Internetportale wie Stornopool.de oder Jumpflight.de, wie man aus der Not eine Tugend machen kann. Auf diesen Plattformen werden „stornogefährdete“ Pauschalreisen oder Flüge weitervermittelt. Kann man eine Reise nicht antreten, zum Beispiel im Falle von Krankheit, fallen normalerweise satte Stornogebühren an, teilweise bis zu 100 Prozent, je näher man dem Reisetermin kommt. Wer sichergehen will, sollte im Vorfeld eine Reiserücktrittsversicherung abschließen.

Die beiden Internetportale funktionieren nach einem einfachen Prinzip: Dort bieten Verbraucher, die ihre Reise nicht antreten können, diese zum Weiterkauf an. Urlaubsuchende können auf dem Stornopool-Marktplatz nach Reisezielen suchen, sei es Kurzurlaub, Pauschalreise, Ferienhaus, Lastminute-Reisen oder Kreuzfahrt. Alle Beteiligten profitieren von diesem Modell: Der, der storniert, spart sich hohe Gebühren, der Urlaubsuchende findet günstige Angebote, und Stornopool verdient an den Provisionen bei Erfolg. Ähnlich funktioniert Jumpflight. Bei der Second-Hand-Flugbörse werden Flüge weiterverkauft. Die Reise wird gegen eine Gebühr für ein Inserat vermittelt. 

„Die meisten Menschen wissen gar nicht, dass sie ihre Flüge weiterverkaufen können“, ist auf jumpflight.de zu lesen. Deshalb findet sich dort auch eine Übersicht, bei welchen Fluggesellschaften man Tickets übertragen kann und bei welchen nicht. So ist dies bei Germanwings beispielsweise laut FAQs möglich, auch bei easyJet. Allerdings sind  Gebühren für die Übertragung zu beachten. Neben einer Zahlung wegen Namensänderung, die auf dem Online-Weg 42 Euro und telefonisch 48 Euro pro Fluggast und Flug beträgt, wird bei easyJet zusätzlich die Differenz zwischen Flugpreis zum Zeitpunkt der ursprünglichen Buchung und dem Flugpreis zum Zeitpunkt der Umbuchung berechnet. Bei Germanwings liegen die Gebühren bei Kurz- und Mittelstrecke bei 60 Euro,  Langstrecke (Eco) 120 Euro und Langstrecke (Business) bei 240 Euro. Bei Airlines wie Air Berlin ist hingegen die Übertragung des Tickets von der Tarifklasse abhängig.

Fazit: Die Liste von Produkten mit hohen Folgekosten ist lang. Die meisten Kunden „sind im System“ der Unternehmen gefangen, wie Karsten Kilian resultiert. Zudem verhalten sich Konsumenten oftmals loyal zu den Produkten der Hersteller. Viele kommen nach Auskunft der Verbraucherorganisationen gar nicht auf die Idee, sich nach günstigeren Folgeprodukten umzuschauen, weil sie zufrieden sind und die hohen Folgepreise, ohne nachzudenken, akzeptieren.

 

➲ www.vzbv.de/sites/default/files/ mediapics/kostenfallen_im_internet.pdf

➲ www.internet-abc.de

➲ www.teltarif.de

➲ www.skyscanner.de

➲ www.swoodoo.de

➲ www.billigflieger.de

➲ www.stornopoool.de

➲ www.jumpflight.de

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