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Planspiel Dorf: Kinder, Wünsche und knappe Mittel

Schon Grundschulkinder können lernen, mit Geld – etwa ihrem Taschengeld –­umzu­gehen. Einen ersten Einstieg in die Welt der Wirtschaft bietet ein Projekt,­­ das seit mehreren Jahren erfolgreich an Schulen angeboten wird.

Planspiel DorfMontagmorgen. Zusammen mit 26 anderen Kindern sitzt der neunjährige Niklas konzentriert um einen großen Spielplan herum, der auf dem Boden des Klassenzimmers liegt. „Einen großen Fußballplatz brauchen wir“, überlegt er, „und einen Supermarkt.“

In der 3. Klasse der Grundschule Wolperath-Schönau bei Bonn ist Projektwoche. Bereits seit sieben Jahren führt die Schule das Projekt „Planspiel Dorf“ durch, das den Schülern ein Grundverständns von Ökonomie vermitteln soll. In den ersten beiden Tagen geht es darum, Bedürfnisse zu formulieren. „Zuerst werden da natürlich immer die Dinge genannt, die sich die Kinder selber wünschen“, erklärt Elisabeth Schmies, Leiterin der Grundschule. „Aber später erarbeiten wir die Bedürfnisse verschiedener Altersgruppen – in unserem ‚Plandorf‘ sollen sich schließlich alle wohlfühlen.“ Tatsächlich entsteht so nach und nach ein kleines fiktives Dorf auf dem Spielplan, mit Krankenhaus und Feuerwehr, Spielplatz und Schule, Supermarkt und Bäcker.

Ein Dorf, in dem sich alle wohlfühlen

Haben sich alle auf den ersten Grundplan verständigt, kommen die Ereigniskarten ins Spiel, um zu überprüfen, ob das Dorf alles bietet, was man braucht. „Die Karten sollen verschiedene Ereignisse simulieren, wie z. B. ‚Deine Schwester heiratet‘ “, erläutert Frau Schmies. „Die Schüler sollen nun in Gruppen herausfinden, welche Einrichtungen dafür gebraucht werden, also in diesem Fall z. B. ein Restaurant, eine Kirche, ein Standesamt usw. Sind diese vorhanden, bleibt der Dorfplan unverändert. Fehlen sie und werden gebraucht, müssen sich die Kinder auf Einrichtungen einigen, die dafür weichen sollen.“

In der vierten Klasse besichtigen die Kinder dann Betriebe vor Ort und erkunden betriebliche Strukturen und Funktionen. Jede Gruppe präsentiert ihre Ergebnisse vor der Klasse. Dann geht es an die alltäglichen Probleme: In der Rolle verschiedener typischer Haushaltsgruppen müssen die Schüler in einem Entscheidungsspiel mit Zeit und Geld haushalten. Die Miete bezahlen, Benzin und Lebensmittel kaufen – und trotzdem noch etwas sparen? Neben Hausarbeit und Job noch genügend Zeit für Freizeit und Familie haben? Das sind Herausforderungen, die bei vielen zur Tagesordnung gehören. Umso wichtiger ist es, dass Kinder früh erkennen, was zum Haushalten alles dazugehört: nicht nur der bloße Umgang mit Geld, sondern auch mit der zur Verfügung stehenden Zeit und den eigenen Bedürfnissen.

Beachtliche Lernerfolge

„Die Kinder begreifen schnell, dass wir im Plandorf nicht alle Wünsche erfüllen können und dass Entscheidungen demokratisch von der Gruppe getroffen werden müssen“, erzählt Frau Schmies. „Sie möchten sozial gerecht verteilen, auch wenn Platz und Geld nur begrenzt verfügbar sind. Da wird dann auch in der Grundschule schon mal hitzig um Entscheidungen gerungen.“

Auch Gerd Billen, Vorstand des Bundesverbands der Verbraucherzentralen, zeigt sich vom Projekt beeindruckt: „Ich fand es sehr spannend zu sehen, dass sich die Schülerinnen und Schüler mit viel Elan und Engagement um ‚ihr Dorf‘ gekümmert haben. Zugleich haben mir die vielen Fragen gezeigt, wie selbstverständlich ich zum Beispiel davon ausgehe, dass junge Menschen schon wissen, was die unterschiedlichen Institutionen und privaten Haushalte leisten.“

Im Internet stehen die Lehr-Materialien zum „Planspiel Dorf“ nach einer kostenfreien Registrierung zum Download zur Verfügung: http://www.ich-bin-meine-zukunft.de.

Foto: Prof. Dr. Michael-Burkhard Piorkowsky, vectomart/Shutterstock

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