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Interview mit Dr. Karsten Kilian

Dr. Karsten KilianExperte Dr. Karsten Kilian beantwortet alle wichtigen Fragen zum Thema Kostenfallen und Rockefeller-Prinzip. Von Monika Mendat

In welchen Branchen muss der Kunde besonders auf Folgekosten achten?

Das Rockefeller-Prinzip kommt in allen Branchen vor. Meist sind es technologische Produkte, die aus mehreren Komponenten bestehen, wie Kaffeeautomaten, PC-Drucker oder auch Rasierapparate. Die meist technischen Geräte besitzen eine gewisse Komplexität, bei der auch der Aspekt Komfort eine Rolle spielt.

Was ist der Unterschied zwischen Folgekosten (Rockefeller-Prinzip) und versteckten Kosten?

Bei Systemprodukten à la Rockefeller ist zum Zeitpunkt des Kaufs meist nicht offensichtlich, wie hoch die Folgekosten sein werden. Die Produkte sind etwas günstiger in der Anschaffung, zum Teil geben die Hersteller die Waren zum Selbstkostenpreis ab. Sie holen sich das Geld über das Zubehör, also zum Beispiel beim Drucker über die Patronen. Bei versteckten Kosten erfährt man hingegen während des Kaufprozesses schrittweise, was einen das Produkt letztendlich kostet. 

Gibt es dafür Beispiele?

Besonders beliebt: eine Einbauküche zum Beispiel für 1.999 Euro zu bewerben. Wenn man aber genau hinschaut, ist es dann doch mehr, wenn man nicht die Küchengeräte vom Billigheimer und eine Mikrowelle mit nur 600 Watt haben möchte. Die Hersteller reduzieren das Angebot auf extrem abgespeckte Varianten und werben damit. Wenn man dann im Geschäft steht und das angebotene Produkt leicht modifiziert, ergibt sich ein zum Teil deutlich höherer Gesamtpreis. Immerhin weiß man das aber schon vor dem eigentlichen Kauf – im Gegensatz zum sogenannten Rockefeller-Prinzip, bei dem der Gesamtpreis erst im Zeitverlauf ersichtlich wird. 

Was raten Sie den Verbrauchern?

Nachrechnen und auf das Kleingedruckte achten! Zum Beispiel sollte man alle Folgekosten zusammenstellen und ermitteln, was zum Beispiel der Ausdruck von einem Blatt DIN A4 Papier in etwa kostet. Auch der Gesetzgeber und die Verbraucherverbände sind gefragt, hier für mehr Transparenz zu sorgen. So wären Modellrechnungen für den Verbraucher hilfreich oder rechtliche Regelungen, wie sie bereits heute bei der Online-Buchung von Flügen existieren. 

Dr. Karsten Kilian ist Marken- und Medienprofessor an der Hochschule Würzburg-Schweinfurt und gilt als einer der führenden Markenexperten Deutschlands. Er hat mit Markenlexikon.com das größte Markenportal Europas aufgebaut.

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