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Gut versichert

Gut versichert
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Die Deutschen sind bekannt dafür, viele Versicherungen abzuschließen. Besonders ihr Heim und ihre Besitztümer versichern sie gern und oft auch teuer. Dabei werden die wirklich wichtigen Versicherungen schnell vergessen. Von Katharina Maier

Stirnrunzelnd kramt Laura im Versicherungsordner ihrer Familie, die aus ihr selbst, ihrem Mann Jan und der Tochter Selina besteht. Policen stapeln sich über Policen. Das ist so unübersichtlich – und jede Versicherung kostet Geld!

„Hey, Jan!“, ruft Laura ihren Mann. „Hast du echt eine Handyversicherung abgeschlossen, als du dein Smartphone gekauft hast?“ Jan steckt den Kopf ins Wohnzimmer. „Sag mal, weißt du nicht mehr, dass ich mir das Smartphone kaufen musste, weil Selina das alte im Klo versenkt hat? Das Ding war erst ein halbes Jahr alt. Geld wächst doch nicht auf Bäumen! Übrigens wolltest du unbedingt eine Vollkasko für unser Auto. Dabei haben wir noch nie einen Unfall gebaut!“ – „Ein Autounfall ist doch wahrscheinlicher, als dass dein Smartphone ein zweites Mal im Klo landet.“ Laura wuchtet demonstrativ den schweren Ordner hoch. „Hast du schon mal zusammengerechnet, was wir dafür im Jahr ausgeben? Manchmal würde ich am liebsten alle unsere Versicherungen kündigen. Es passiert doch eh nichts.“ – „Und was, wenn doch? Dann stehen wir blöd da. Woher sollen wir dann auf einmal so viel Geld nehmen?“

Typisch: Sachversicherungen

Die Diskussion, die sich da im Wohnzimmer von Laura und Jan entspinnt, ist nicht unüblich. Viele Deutsche haben nicht die richtigen Versicherungen für ihre Zwecke abgeschlossen. Auch dass das Paar ausschließlich über versicherte Gegenstände spricht, nämlich das Smartphone und das Auto, ist typisch. Denn Sachversicherungen aller Art sind bei den Deutschen besonders beliebt, obwohl die Beiträge im Verhältnis zum versicherten Sachwert häufig hoch sind.

Ein Auto zu Schrott zu fahren, können wir uns ohne große Schwierigkeiten ausmalen, ja, es ist uns vielleicht sogar schon passiert. Da erscheint eine Vollkaskoversicherung für den neuen Wagen sinnvoll – auch wenn nur eine KFZ-Haftpflicht gesetzlich vorgeschrieben ist. Die Vorstellung, im Fall der Fälle eine große Summe hinblättern zu müssen, macht uns Bauchschmerzen. Nur leider vergessen wir dabei oft die Versicherungen, bei denen es nicht um konkrete Sachschäden geht – so wie Laura und Jan bei ihrem Streitgespräch. Doch genau das sind die Versicherungen, die dann greifen, wenn existenzbedrohende Situationen eintreten.

Wichtig: Existenzabsicherung

Wer überlegt, eine Versicherung abzuschließen, oder seine bestehenden Policen überprüft, sollte sich immer fragen: Geht es dabei um existenzbedrohende Risiken? Besonders wichtig ist diese Überlegung, wenn nicht so viel Geld in der Haushaltskasse ist.

Muss ich mir ein Smartphone kaufen, weil das alte zu Bruch gegangen ist, ist das nervig. Aber ruinös sind die Kosten für ein neues Mobiltelefon nicht, und zur Not geht es auch eine Weile ohne. Ganz anders sieht die Sache aus, wenn ich einen Unfall verursache, bei dem eine andere Person eine Behinderung davonträgt. Dafür kann ich unbegrenzt haftbar gemacht werden und trage womöglich mein restliches Leben an den Schadensersatzleistungen. Deswegen ist die Haftpflichtversicherung neben den gesetzlichen vorgeschriebenen, wie etwa der Krankenversicherung, die wichtigste Versicherung überhaupt. Dennoch haben viele Deutsche keine abgeschlossen.

Der Gedanke, jemandem Dritten Schaden zuzufügen und dafür haftbar gemacht zu werden, ist vielleicht zu abstrakt und wir schieben ihn weit von uns. Und wer befasst sich schon gern mit Themen wie Berufsunfähigkeit, Pflegebedürftigkeit oder Tod? Gerade deshalb sollte man sich aber bewusst damit auseinandersetzen und sich über die Risiken informieren. Die Beiträge für Versicherungen wie Haftpflicht, Berufsunfähigkeit oder Risikolebensversicherung sind in der Regel nicht sehr hoch.

Individuell: Mittel und Bedürfnisse

Wie genau sich eine bestimmte Person oder Familie versichern soll, lässt sich nicht pauschal sagen. Jeder Mensch hat andere Mittel, Prioritäten und Bedürfnisse. Für einen Vielfahrer, der sich gern ein teures Auto leistet, ist eine Vollkasko womöglich sinnvoll; ein junges Ehepaar möchte vielleicht lieber eine private Krankenversicherung für die Kinder abschließen, anstatt ihre Möbel und Kleidungsstücke abzusichern.

Eine individuelle Beratung ist deshalb wichtig. Doch gibt es da nicht Interessenskonflikte? Schließlich will der Versicherungsvertreter, der für ein bestimmtes Unternehmen arbeitet, etwas verkaufen. Gleichzeitig soll er den Kunden fair beraten. Seit Februar 2018 gibt es deswegen neue Richtlinien, die vom Verbraucherschutz gefordert wurden. Diese sollen dafür sorgen, dass Interesse und Nutzes des Kunden im Vordergrund stehen, unter anderem durch größere Transparenz. Zum Beispiel muss dem Kunden nach einem Beratungsgespräch eine Dokumentation desselben zugesandt werden. So kann man noch einmal alles nachvollziehen, worüber gesprochen wurde. Das hilft auch dabei, sich zusätzlich zu informieren, etwa über Vergleichsportale und Versicherungschecks im Internet. Die Angebote von Verbraucherschutzorganisationen können ebenfalls genutzt werden, um sich schlau zu machen. Eine Ausgangsbasis liefert die folgende Liste.

Versicherungen

Sehr zu empfehlen

Haftpflicht
... ist die wichtigste private Versicherung. Sie deckt Sach- und Personenschäden ab, die der Versicherte einem Dritten durch Fahrlässigkeit zufügt. Da nach deutschem Recht Schadensansprüche unbegrenzt sind, kann ein verschuldeter Schaden finanzielle Konsequenzen für das ganze Leben nach sich ziehen.

Berufsunfähigkeit und Pflege
... sind je nach Alter sehr empfehlenswert. Wer noch ein langes Berufsleben vor sich hat, sollte sich für den Fall absichern, dass man seinen Job wegen Krankheit oder Unfall nicht bis zur Rente ausüben kann. Die staatliche Absicherung ist in solchen Fällen gering. Ähnliches gilt für die Pflege im Alter. Vor allem für Menschen ab 50, die nicht mehr so lange im Berufsleben sind, ist statt der BU eine private Pflegeversicherung ratsam. Zusätzlich kann man unabhängig vom Alter eine Unfallversicherung in Erwägung ziehen, um sich für einen Unfall während der Freizeit abzusichern.

Risikolebensversicherung
... ist für Familien mit Kindern sinnvoll, damit die Hinterbliebenen im Todesfall finanziell abgesichert sind. Es genügt eine zeitlich begrenzte Versicherung, z. B. bis alle Kinder volljährig sind. Dann ist auch der monatliche Beitrag relativ gering (ca. 5–10 €). Wichtig ist, beide Elternteile zu versichern, selbst wenn nur einer davon Geldverdiener ist. Denn auch beim Ausfall des Nicht-Verdieners entstehen dem Hinterbliebenen finanzielle Nachteile. Außerdem sind die Kinder für den Todesfall beider Eltern besser abgesichert.

Sinnvoll

Hausrat
... gerade für Leute mit geringem Einkommen zu empfehlen. Denn wenn etwa durch einen Brand alle Möbel und Kleider verloren gehen, kann jemand, der wenig auf der Kante hat, diesen Verlust nicht so leicht ersetzen wie jemand mit einem dicken Bankkonto.

Private Altersvorsorge: RiesterRente
... ist für einkommensschwache Familien mit Kindern gut geeignet. Bei einem monatlichen Beitrag von ca. 5 € bekommt man mit geringem Einkommen jährlich 300 € pro Kind und 175 € für sich selbst zur RiesterRente hinzu. Während diese bisher im Alter von der Sozialhilfe abgezogen wurde, wird sie seit 2018 bis zu einem bestimmten Freibetrag nicht mehr auf die Grundsicherung angerechnet.

Auslandskrankenschutz
... deckt Behandlungen und medizinische Rücktransporte ab. Das Verletzungs- und Erkrankungsrisiko bei Reisen ist hoch, doch die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen anfallende Kosten nur teilweise oder gar nicht. Vor Abschluss prüfen, was bereits abgedeckt ist!

 

Die Autorin bedankt sich bei Herrn Frank Vesper, Agentur Allianz Böttcher in Sulzbach-Rosenberg, für seine fachkundige Unterstützung.

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