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Elterngeld und Elterngeld Plus

Elterngeld

Halfpoint/Shutterstock.com

„Eltern werden ist nicht schwer, Eltern sein dagegen sehr!“ – frei nach Wilhelm Busch überlegen sich so manche Paare, ob sie überhaupt Kinder bekommen sollen. Neben der Frage, wie man am besten Familie und Beruf unter einen Hut bekommt, spielt auch das Geld eine entscheidende Rolle. Doch gerade in der turbulenten Anfangsphase bietet der Staat finanzielle Unterstützung: Elterngeld und Elterngeld Plus. Wer sein Kind zu Hause selbst betreut, soll so einen Teil der Einkommensverluste ausgleichen können.
Von Marion Buk-Kluger

Wer hat Anspruch auf Elterngeld?

Arbeitnehmer, Beamte, Selbstständige und erwerbslose Elternteile, Studierende und Auszubildende, die ihre Kinder nach der Geburt selbst betreuen und erziehen. Sie dürfen nicht mehr als 30 Stunden in der Woche erwerbstätig sein und müssen mit ihren Kindern in einem Haushalt in Deutschland leben. Neben den leiblichen Eltern und den Adoptiveltern können in Ausnahmefällen auch Verwandte bis dritten Grades Elterngeld erhalten, wie zum Beispiel Großeltern oder Geschwister.

Wie lange und wie viel
Elterngeld gibt es?

Das sogenannte Basiselterngeld wird maximal 14 Monate gezahlt. Der Zeitraum kann zwischen Vätern und Müttern frei untereinander aufgeteilt werden. Ein Elternteil kann dabei mindes­tens zwei und höchstens zwölf Monate für sich in Anspruch nehmen, zwei weitere Monate gibt es, wenn sich auch der andere Elternteil an der Betreuung des Kindes beteiligt und den Eltern mindestens zwei Monate Erwerbs­einkommen wegfällt. Alleinerziehende, die das Elterngeld zum Ausgleich des wegfallenden Erwerbseinkommens beziehen, können aufgrund des fehlenden Partners die vollen 14 Monate Elterngeld in Anspruch nehmen.

Wie berechnet sich das Elterngeld?

Die Höhe des Elterngeldes richtet sich nach dem Einkommen der Eltern.

Bei einem Nettogehalt bis 1200 € erhält man für 12 Monate 67 % des letztjährigen Netto-Gehalts. Verdient man mehr, erhält man 65 %, aber maximal 1800 €. Für Geringverdiener, die vor der Geburt des Kindes weniger als 1000 € verdient haben, steigt die Rate sogar schrittweise auf bis zu 100 %. Je geringer das Einkommen, desto höher die Ersatzrate.

Eltern, die ihre Arbeitszeit nach der Geburt reduzieren und in Teilzeit nicht mehr als 30 Stunden pro Woche arbeiten, haben Anspruch auf ein Teilelterngeld. Dieses kann dann bis zu 67 % den Einkommensausfall ersetzen. Bei der Berechnung werden hierbei jedoch höchstens 2700 € als Einkommen vor der Geburt berücksichtigt.

Zusätzlichen Einfluss auf die Höhe des Elterngeldes haben zum einen die Anzahl der Neugeborenen und zum anderen die Geschwister. Bei Mehrlingsgeburten erhöht sich das Elterngeld pauschal um 300 € für jedes weitere Kind. Familien, die bereits ein Kind unter drei Jahren oder zwei Kinder unter sechs Jahren haben, erhalten zudem einen Geschwisterbonus. Hier gibt es noch einmal 10 % extra, mindestens jedoch 75 Euro pro Monat.

Die pauschale Mindestsumme beim Elterngeld beträgt 300 €. Diesen Betrag erhalten zum Beispiel auch Studierende, Hausfrauen und Hausmänner sowie Eltern, die wegen der Betreuung älterer Kinder nicht gearbeitet haben.

Elternpaare, die im Kalenderjahr vor der Geburt ihres Kindes gemeinsam ein zu versteuerndes Einkommen von mehr als 500.000 € (bei Alleinerziehenden mehr als 250.000 €) hatten, haben keinen Anspruch auf Elterngeld.

Wie beantragt man das Elterngeld?

Das Elterngeld muss schriftlich bei der Elterngeldstelle beantragt werden, möglichst kurz nach der Geburt. Man sollte aber nicht länger als drei Monate warten, denn länger als bis zu dieser Frist wird das Geld rückwirkend nicht mehr ausgezahlt.

Jeder Elternteil kann für sich einmal einen Antrag auf Elterngeld stellen. Dafür benötigt man folgende Bescheinigungen:

Geburtsurkunde oder Geburtsbescheinigung des Kindes (erhältlich beim Standesamt)

Einkommensnachweise in Form eines Steuerbescheides oder notfalls der Lohnsteuerkarte

Bescheinigung der Krankenkasse über den Bezug von Mutterschaftsgeld nach der Geburt oder bei Beamtinnen über die Dienstbezüge während des Mutterschutzes

Bescheinigung über den Arbeitgeberzuschuss zum Mutterschaftsgeld

Arbeitszeitbescheinigung vom Arbeitgeber bei Teilzeitarbeit bzw. Erklärung zur Arbeitszeit bei selbstständiger Arbeit

Was ist das Elterngeld Plus?

Neben dem Elterngeld in der bisherigen Form soll das Elterngeld Plus für solche Eltern flexibler werden, die in Teilzeit arbeiten. Elterngeld Plus ersetzt den Einkommensanteil, der wegen Teilzeit entfällt.

Das Elterngeld Plus gibt es für den doppelten Zeitraum: ein bisheriger Elterngeldmonat entspricht zwei Elterngeld Plus-Monaten. 

Eltern, deren Kinder ab dem 1. Juli 2015 geboren werden, können Elterngeld, das neue Elterngeld Plus und einen Partnerschaftbonus miteinander kombinieren. Die neuen Angebote unterstützen Eltern dabei, sich gemeinsam um die Kinder zu kümmern und Teilzeit zu arbeiten.

Wie funktioniert das Elterngeld Plus?

Arbeiten die Eltern nach der Geburt in Teilzeit, gleicht das Elterngeld Plus das fehlende Einkommen aus, das die Eltern durch den Verzicht auf den Vollzeitjob verlieren. Das Elterngeld Plus ist in seiner monatlichen Höhe aber begrenzt auf die Hälfte des Elterngelds, das Eltern bei vollständiger Erwerbsunterbrechung (also ohne Teilzeittätigkeit) bekämen.

Wann lohnt es sich,
Elterngeld Plus zu wählen?

Das Elterngeld Plus ist von Vorteil für Mütter und Väter, die schon während des Elterngeldbezugs und danach in Teilzeit arbeiten wollen. Mit Elterngeld Plus-Monaten können sie während ihrer Teilzeittätigkeit doppelt so lang die Förderung durch das Elterngeld nutzen.

Diese Lösung ist auch für Väter und Mütter attraktiv, die ihre Neugeborenen gleichzeitig oder nacheinander über eine längere Zeit selbst betreuen möchten. Elterngeld Plus lohnt sich potenziell für alle Eltern, die nach der Geburt erwerbstätig sind und mehr als den Elterngeld-Mindestbetrag beziehen.

Wo bekommen Familien Rat und Hilfe?

Bei der Ermittlung des Elterngeldes hilft die örtliche Elterngeldstelle. Zuständig sind die Versorgungs-, Sozial- oder Jugendämter.

Auf der Website des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend kann – abhängig vom Bundesland – die zuständige Elterngeldstelle ermittelt werden.

Hilfreich sind auch Elterngeldrechner im Internet. Informationen gibt es auf der Homepage des Bundesfamilenministeriums oder unter der einheitlichen Behördenrufnummer 115.

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